Freitag, 17. September 2010

On being British...

Tee, das ist glaub ich das Erste das Menschen denken wenn sie an England denken. Ich habe jetzt andere Seiten Britanniens kennengelernt. Lustige Seiten, aber auch Sachen über die ich mich nur wunder kann. 

Engländer haben viele Leidenschaften bzw. machen das was sie machen mit einer ganz bestimmten Leidenschaft. Ich habe heute diesen Mann beobachtet, der einen wirklich nicht zu beneidenswerten Job hat. Er putzt Fenster. Es ist wirklich sein Job, jegliche Außenfenster bestimmter Läden zu reinigen. Ich bin mir sicher, dass Österreicher einiges zu jammern hätten. Jedenfalls, dieser englische Putztyp hat die Fenster mit einer Leidenschaft geputzt, die mit nichts zu vergleichen ist. Gekonnt hat er die Werkzeuge gebraucht und auch keinen einzigen Fleck ausgelassen. Ich kann bestimmt behaupten, dass Engländer ALLES mit einer richtigen Passion machen. Wenn sie etwas hassen, dann komplett. Wenn sie eine Fußballmannschaft unterstützen, dann aber richtig. Sie brüllen, schreien, weinen und springen hoch aus ihren Sesseln. Sie drehen förmlich durch.
Eine andere Leidenschaft, die ich entdeckt habe, ist das traditionelle Anstehen. Würde es dafür eine Sportart geben, die Engländer würden sie bestimmt gewinnen. Sie genießen es regelrecht sich schön brav in eine Reihe zu stellen. Sie warten geduldig studenlang ohne auch nur die geringste Miene zu verziehen. Mich regt anstehen immer total auf. Ich würde 1000 bessere Dinge finden, die ich tun könnte anstatt anzustehen. Vor allem frustriert es mich, 45 Minuten anzustehen, nur um gesagt zu bekommen, das man mir nicht helfen kann. Ich muss WARTEN!! Anscheinend ist das der Nationalsport der Briten.
Was mich zum nächsten Thema bringt. Engländer sind immer irrsinnig freundlich und höflich. Für mich ist das extrem ungewohnt. Ich komme gerne zum Punkt und zwar schnell. Wenn ich etwas haben will, dann frag ich. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann sag ich es (meistens). Engländer können ziemlich gut um den heißen Brei herumreden. Deswegen denken auch alle, dass Engländer viel eloquenter sind als der Durchschnittseuropäer. Sind sie jedoch nicht. Sie sind nur jahrelang dazu ausgebildet worden, Blödsinn zu labern. 
Ich liebe Briten trotz all ihrer kleinen Fehler. Sie sind irrsinnig freundlich und auch hilfbereich. Ich habe jedoch festgestellt, dass Hilfbereitschaft auf die Region ankommt aus der die Leute stammen.
Ich habe erfahren, dass Menschen im Norden viel geduldiger und freundlicher sind als die Menschen im Süden. 
Im Süden haben die Menschen ein einfaches Prinzip. Wenn etwas nicht gesagt werden muss, dann sag es einfach nicht. Das bedeutet, dass man auf keinen Fall mit der Person neben einem spricht obwohl man 4 lange Stunden mit ihm ein Zugabteil teilt. Wenn Menschen im Süden (größtenteils) nach dem Weg gefragt werden, bekommt man eine pampige Antwort. Angeblich ist das im Norden ganz anders. Ich habe bis jetzt nur gute Erfahrungen mit Menschen aus Yorkshire gemacht, aber ich bin mir sicher, dass es auch nette Menschen im Süden gibt. 



Was mir auch noch aufgefallen ist, ist das sich Engländer und auch  Engländerinnen ganz anders kleiden als sagen wir mal Österreicher. Ich glaube, dass Österreicher sich eher praktisch kleiden. Wenn es kalt wird, dann ziehen wir uns einen Mantel an. Wenn es draußen heiß ist, laufen wir mit kurzen Hosen herum. In England kann jeder anziehen was er für stylisch hält. Erst gestern hab ich im Supermarkt ein ziemlich schräges Pärchen gesehen. Sie hatte blaue Haare und er violette. Tja, da haben sich zwei gefunden. Der generelle Unterschied ist, dass Engländer(innen) sich viel mehr Gedanken über ihren Stil machen. Jeder will individuell und anders sein. Viele Sachen, die in Österreich als altmodisch gelten würden sind hier total normal. Leggins und Sachen aus den 80gern sind angesagt und hipp. Jedes zweite Mädchen läuft mit einem Haarband mit irgendeiner ausgeflippten Blume oder Figur darauf herum. Vieles beruht auf Vintage oder Secondhandshops. Engländerinnen sind auch bekannt dafür, sich extrem hübsch zu machen wenn sie ausgehen. Sie ziehen extrem kurze Röcke oder Kleider an und lieben es sich in Szene zu setzen. Für mich tragen manche einfach zu viel auf, zu viel Make-up und viele, die es sich eigentlich nicht leisten können, zeigen viel zu viel Haut. Trotzdem ist es erleichternd in einer Umgebung zu leben, in der jegliche Kleidung akzeptiert wird und in der man mit Kleidung herumexperimentieren kann.

Der Kleidungstil der Männer ist sehr einfach zu beschreiben. Viele Jungs hier kleiden sich sehr sehr weiblich, zumindest für meine Verhältnisse. Sie tragen sehr enge Jeans und enge T-shirts. Sie geben sich sehr viel Mühe mit ihren Haaren. Es ist auch witzig zu beobachten, dass sich verschiedene Gruppen auch unterschiedlich kleiden. Die Männer die Indiemusik hören kleiden sich anders als die, die Hip-Hop hören. In Österreich ist es komplett egal ob man nun Klassik hört oder Hardrock, die Kleidung ist und bleibt praktisch.
Was auch noch total interessant ist, jedenfalls für mich, ist die Jogginhosenkultur (ich habe das Wort gerade erfunden). Viele Leute ziehen einfach ihre Jogginsachen an, die bequem sind und gehen einkaufen oder sonst wohin. 


Kommen wir nun zum Ausgehen. Bis jetzt hatte ich das Vergnügen nur mit Männern ausgehen zu dürfen. Ich wurde ins sogenannte "banter" eingeführt. Ich glaub in Österreich oder wo anders wird es flirten genannt. Hier in England geht es jedoch ein bisschen anders zu. Da wird sich mal schön übereinander lustig gemacht und es wird so gut es geht gestänkert. Der, der als erstes aufgibt, hat glaube ich verloren. Aber so genau kenn ich mich da noch nicht aus. Es fällt mir noch schwer mit dem ganzen "Gebanter" mitzuhalten. Es liegt auch einfach an der Sprachbarriere und den vielen Vokabeln, die man da um die Ohren geworfen bekommt. Bis Ende Juni werde ich das noch perfektionieren müssen. Ich bin aber ganz positiv gestimmt. 


Als Österreicherin bin ich es gewohnt, dass alles in mehr oder weniger geregelten Bahnen verläuft. Die Züge gehen pünktlich und auch immer zur selben Zeit zum selben Preis. England ist definitiv anders. Der gute Aspekt ist, dass man Rücktickets kaufen kann. Das bedeutet, dass man nur einmal zum Schalter oder zur Maschine laufen muss. Meistens sind diese Rücktickets auch billiger als wenn man ein Ticket zur Destination und dann ein separates Ticket zurück kaufen würde. Außerdem kann man Tickets billiger kaufen, wenn man früh genug bucht. Umso kurzfristiger man die Tickets kauft, desto teurer. Diese Retourtickets haben natürlich ein Ablaufdatum aber man kann innerhalb eines Monats wieder dorthin zurück wo man hergekommen ist. Das nenne ich einmal praktisch. Engländer sind auch sehr bedacht darauf pünktlich zu sein. Naja, sagen wir einmal, halbpünktlich. Sie sind keine Deutschen, wenn es um Pünktlichkeit geht. Sie sind jedoch umso genauer wenn es ums Bezahlen und Kontrollieren der Fahrkarten geht. Ausnahmslos in allen öffentlichen Verkehrsmitteln wird striktestens kontrolliert. Die Möglichkeit des Schwarzfahrens gibt es praktisch gar nicht. 


Das Erste was mir hier in Sheffield richtig gezeigt wurde war die Universität bzw. die sogenannte Union. Dort gehen Studenten hin wenn sie Fragen haben, oder wenn sie sich für Aktivitäten interessieren. Darin befinden sich jedoch auch normale Geschäfte in denen man Schulsachen und Essen kaufen kann. Es befinden sich 2 Cafés und auch eine Kantine darin. Im Keller befindet sich jedoch auch eine Bar und viele Parties werden dort stattfinden. Kurz gesagt, die Union bietet alles was sich ein Student nur wünschen kann. Es ist großartig ein Teil davon zu sein. Die Sheffield Union ist gerade erst renoviert worden und das Ergebnis kann sich zeigen lassen. Man fühlt sich sofort wohl und irgendwie ernst genommen. Studieren ist einfach anders in Großbritannien. Man studiert auf einem anderen Level, kommt mir vor.  Wahrscheinlich auch deswegen, weil alle Studenten irrsinnig viele Gebühren zahlen müssen. Es zahlt sich jedoch aus. Die Bibliotek, die ich besichtigen durfte ist einfach der Hammer. Man kann wirklich darin wohnen (es befinden sich auch Duschen und Betten darin). Man kann im Internet surfen, einfach nur Bücher lesen oder wenn man betrunken von der Stadt kommt kann man theoretisch auch darin übernachten. Die Bibliothek ist 24 Stunden, 7 Tage die Woche lang geöffnet. Das muss ihr erst einmal nachgemacht werden Die Klagenfurter Unibibliothek kann da sowas von einpacken. Game over for you baby. 
Was noch richtig cool ist, sind die ganzen Aktivitäten die angeboten werden, von Sport angefangen, bis hin zu kochen und Wein verkosten, wird so ziemlich alles angeboten. 

Rundherum, die Landschaft ist einfach nur atemberaubend und es gibt so viele Dinge die man tun kann. Das Einkaufen ist definitiv eines meiner Lieblingsbeschäftigungen geworden, obwohl ich es nicht zu übertreiben versuche. In Sheffield gibt es auch eine künstliche Schipiste, eine der größten in Europa. Ich werde sicher mal dorthin fahren um zu snowboarden. 

Ich bin noch nicht lange hier, doch ich bin begeistert. Noch hat die Uni nicht so richtig angefangen und naja ich bin noch ziemlich planlos. Ich bin mir sicher, dass mir noch einige Sachen einfallen werden, die mir nicht so gefallen. Aber bis dahin, genieße ich die größtenteils postiven Ereignisse.

So, ich geh mal ins Bett. Es ist schon spät und morgen werden wir Tickets für die Fresher's Week kaufen. Kurz gesagt, eine Woche in der alle Studenten feucht fröhlich feiern, dass sie (wieder zurück) auf der Uni sind.

Let the good times roll. ;) 

1 Kommentar:

  1. Oh the train ticket prices are a Blödsinn. Once I wanted to get from London to Manchester and the only availabel price was 120 pounds (wtf?). I recommend the Megabus:)

    Also on being in order. I think the British are way more organised than the Germans. The trains close the doors 30 sec before departure. And did you notice how people stan in line at the bus stops?

    As for the clothing. Too much style ain't stylish anymore:) I don't like seeing half of a woman's behind in the middle of a street. (It may sound strange but no)

    Cheers!

    PS. I am glad you love it:)

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