Mann, wie die Zeit vergangen ist, seit meinem letzten Eintrag. Ein Wahnsinn. Ich werde gleich mal Mitte/Ende September mit meiner Geschichte beginnen. Ich bin am 20. September in mein neues zuhause eingezogen. Ich war gleich einmal sehr positiv überrascht. Das Zimmer ist klein aber fein mit einem wunderschönen Ausblick ...in einen Baum! Der Vorteil und auch gleichermaßen der Nachteil dieses Ausblickes ist, dass das Zimmer immer dunkel ist. Ich kann also, wenn ich weg war immer schlafen. Will ich aber mal lernen, muss ich alle Lichter anmachen um nicht sofort einzuschlafen. Das Zimmer besteht größtenteils aus einem Einbauschrank-Schreibtisch und einem Bett. Mehr ist da nicht drin. Das Bad ist im selben Prinzip gehalten, sehr funktionell. Es gibt nicht mal eine richtige Dusche, man stellt sich einfach ins Bad, zieht den Duschvorhang zu und duscht mal fröhlich drauflos. Das benutze Wasser rinnt dann in einen Art Kanal in der Mitte des Badezimmers. Leider ist das ganze Bad nach einer Dusche komplett überflutet. Das Zimmer zeichnet sich jedoch durch gefinkelte Accessoires aus. Ich hab einen Ganzkörperspiegel (oho) und Hängevorrichtungen für Mäntel und Jacken. Außerdem bietet das Zimmer viel Abstellplatz für jegliche Sachen die man so braucht. Für meinen Geschmack ist der Kleiderschrank ein bisschen zu klein. Die Frau von Welt hat eben ein paar mehr Klamotten. Außerdem sind die Einkaufmöglichkeiten hier fast unausschöpfbar. Zum Zimmer ist noch zu sagen, dass ich auch meine eigene Pinnwand habe, wo ich alles drauftakkern kann wie ich will. Das macht irrsinnig viel Spaß.
Meine Mitbewohner sind auch irrsinnig nett. Ich wohne mit 3 Engländern, 1 Irin und einem Mädchen aus Malaysia. Die Malaysierin ist sehr schüchtern, sie redet nicht viel. Wobei ich in den letzten 2 Monaten herausgefunden habe, dass sie sehrwohl und sogar sehr viel redet wenn man mit ihr alleine ist. Kaum kommt noch eine Person in den Raum ist sie stumm wie ein Fisch. Aber sie scheint ganz nett zu sein. Ich hab sie auch gefragt, was es so für Unterschiede verglichen mit ihrer Kultur gibt. Sie hat gesagt, dass hier in England viel mehr Alkohol konsumiert wird und sie findet das nicht so gut. Was sie aber gut findet sind die Jungs und dass man hier sagen darf was man denkt (verständlicherweise!) Ich würde sie gerne besser kennenlernen, was sich aber als schwierig herausstellt, das sie sich immer in ihrem Zimmer einschließt.
Dann gibt es da noch die 3 Engländerinnen: Charlotte, Jane und Niamh.
Charlotte kommt aus der Nähe Manchesters und ist das sozial engagierteste Mädchen in der Wohnung. Sie hat 100 000 Freunde im und in der Nähe unseres Blockes. Für mich ist es manchmal schwer sie zu verstehen. Keine Ahnung ob das am Akzent liegt, oder daran, dass sie ihren Manchester Akzent auch manchmal so dahin murmelt. Mit ihr wegzugehen macht irrsinnig viel Spaß obwohl man sie kaum sieht. Sie ist meistens mit irgendeinem Bekannten unterwegs und die Jungs fliegen nur so auf sie.
Die nächste im Bunde ist Jane, sie kommt aus der Nähe von London. Sie ist eine recht witzige Persönlichkeit. Meistens gut drauf und immer für jeden Spaß zu haben. Ich würde sie auch als die Wohnungstussi beschreiben. Nicht im schlechten Sinn. Sie hat nur irrsinnig viele Schminke und Anziehsachen und braucht ewig um fertig zu werden. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist jedoch das Schlafen. Sie schläft mindestens 12 Stunden pro Tag. Ich könnte nie so viel schlafen. Die ganze Schlaferei macht sie aber ganz süß. Sollte sie die Tür nicht öffnen, schläft sie bestimmt - sichere Annahme.
Niamh kommt aus Oxford und ist die Jüngste in der Wohnung. Ich hab sie in den letzten 2 Monaten am Besten kennengelernt und wir waren auch oft zusammen weg. Ich hab immer Spaß mit ihr. Sie studiert Mathematik was sie ein bisschen zu einem Freak macht. Sie ist aber auch sehr gesellig und quatscht mit jedem munter drauf los, sollte sie betrunken sein! Sonst ist sie eher ein ruhiger Mensch, der ein bisschen länger braucht um aus sich rauszukommen.
Zum Schluss ist da noch Aoife, die Irin. Sie könnte meine Schwester sein und so fühlt es sich auch an. Sie ist mein Nummer 1 Ansprechpartner (sollte sie mal zu Hause sein). Sie studiert Zahnmedizin und ist sehr beschäftigt. Zahnmedizin ist fast so wie Medizin hier, nur das die Zahnärzte im ersten Jahr viel mehr zu tun zu haben scheinen. Aoife ist ständig am Lernen und wiederholen und macht sich ständig Sorgen, dass sie nicht auf dem neuesten Stand ist. Jedenfalls ist sie eine total aufgeschlossene, durchgeknallte und lustige Person, die gerne auf den Putz haut (wenns dann mal soweit ist).
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| voila...most of my room |
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| stating the obvious: the toilet and the sink |
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| my desk |
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| The corridor |
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| our comfy couches that are rarely used |
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| cooking area |
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| riight..that's where you find me |
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| MEIN BLOCK |
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| The beautiful view from my window |
In Endgland zu leben ist schon ganz cool. Wenn man studiert, fühlt man sich wirklich wichtig. Der Kampus ist ziemlich groß und ich habe herausgefunden, dass Sheffield Uni eine der besten Universitäten im Land ist. Man kann sich also glücklich schätzen wenn man hier aufgenommen wurde. Es gibt einfach so viele Möglichkeiten hier. Das wichtigste Gebäude überhaupt ist die sogenannte Union. Ich hab es glaub ich schon einmal angesprochen. Es befinden sich mehrere Shops darin, 3 Bars und auch 2 Nachtclubs, oder mehrere. Weiß gar nicht genau was als Bar und was als Club bezeichnet wird. Alles wird nämlich für mehrere Zwecke benutzt. (Parties aber auch Tanzstunden) Viele Parties werden in der Union abgehalten und vieles wird hier organisiert. Ich weiss eigentlich gar nicht warum viele Leute hier dick sind, es gibt wirklich so viele Sportmöglichkeiten. In den ersten Wochen wird so viel angeboten und man kann auch so vieles ausprobieren. Man braucht jedoch für alles ein Ticket. Also mit spontan geht da nichts.
Jedenfalls in den ersten Wochen hab ich viele Sportarten ausprobiert, ich bin sogar Wakeboarden gegangen. Das Wasser hatte 5 Grad, gefühlte minus 10, höchstens. Der Wind bließ uns nur so um die Ohren und ich wünschte ich hätte mich nicht dazu entschieden wakeboarden zu gehen. Wir haben uns dann in die Neoprenanzüge reingezwängt, die auch arschkalt waren. Ich wollte einfach nur in mein warmes Bett oder unter eine warme Dusche. Danach wurden wir draußen im Freien eingewießen, wir bekamen unsere Kneeboards und uns wurde genau erklärt wie man sie benutzt. Auch in diesem Moment war ich innerlich nur am Fluchen. Die Tage davor waren super schön gewesen, kein Wölkchen am Himmel. Aber genau an dem Tag, an dem ich ins Wasser muss, da muss es ja natürlich wieder total eisig kalt sein, war ja klar. Ich habs probiert und bin immer noch stolz auf mich. Bin jedoch in der Mitte des Sees runtergefallen und musste bis zu Ende schwimmen. Dazwischen musste ich aufpassen, dass ich nicht von einem anderen Kneeboarder überrannt wurde (wir wurden aufgefordert einfach für ein paar Sekunden unterzutauchen, damit der andere über den Helm fahren kann). Naja. Ich wars ja gewohnt, dass Wakeboarder mit einem Boot abgeholt werden, wenn sie es versauen. Nicht so an diesem See, das ganze Seil war an einer Konstruktion befestigt, die rund um den See geht. Deswegen musst ich auch schwimmen. Nix mit Boot und so. Als ich es endlich geschafft hatte mein Board und mich ans Ufer zu schleppen, musste ich nochmal barfuß rund um den See herumlaufen. Danach hab ich dann zu lange gezögert und habs nicht nochmal versucht. Ich wünschte jedoch, ich hätte es gemacht. Ich weiss nun definitiv, dass ich mit dem Wakeboarden bis zum Sommer warte, wenn die Seen ein bisschen wärmer sind und ich mir nicht meine Hände und Füße abfrieren muss. War jedoch eine echt coole Erfahrung.
Ich hab auch noch Capoeira probiert. Was für ein Wochenende bzw. was für eine Woche. Am Donnerstag hab ich zuerst Zumba probiert. Zumba, für alle Uninformierten ist eine Tanzsportart, die aus den Staaten kommt. Man kombiniert einfach zwei oder mehrere Tanzstile in einem Tanz und bum hat man das perfekte Workout. Es hat irrsinnig Spaß gemacht, Salsa, Merengue mit Bauchtanz und Polka zu vermischen. Die Musik war unglaublich. Leider kostet es so viel das weiterhin zu tanzen.
Am Freitag war dann Wakeboarden dran. Davon hab ich ja schon ausgiebig berichtet.
Samstag hab ich mich dann dazu aufgerafft zu Capoeira zu gehen. Capoeira kommt aus Brasilien und ist eine Kampfsportart mit Tanzelementen und viel Philosophie. Schon alleine das Aufwärmen war anstrengend. Es wird extrem viel gesprungen und dann muss man sich auf den Boden fallen lassen. Und wieder hüpfen. Dann Dehnübungen und erst danach fängt das richtige Training an. Ich war den Tag davor weg und war ein bisschen verkatert. Bei den Drehungen wurder mir richtig schwindlig und ich musste mich immer wieder mal orientieren. Da der Grundschritt dem Salsaschritt sehr ähnlich ist wollte ich immer meine Hüften bewegen, das ist aber falsch. Ich kam einfach nicht rein. Ich habs trotzdem gemacht. Es war wirklich eine tolle Erfahrung. Wir haben gesungen und der Leiter hat mit verschiedenen Instrumenten gespielt. Drei Leute waren da, die waren schon voll die Profis und haben gleich mal ihr Können gezeigt. Mann Mann...da wird man echt grün vor Neid. Ich bin dann gar nicht mehr gegangen, weil Salsa ist zur selben Zeit und ich wollte einfach auch beides ausprobieren und die Möglichkeit zu tanzen haben.
Am Sonntag waren dann die Hockey Auswahl. Es war so anstrengend nach 4 Tagen nur Sport. Ich hatte keine Ahnung und hab mich gleich blamiert indem ich den Schläger falsch herum gehalten habe. Mir hat aber niemand auch nur irgendwas erklärt. Es ging gleich los und wir wurden die ganze Zeit beobachtet. Wir mussten laufen und laufen und noch mehr laufen und wir waren zum Schluss alle echt kaputt. Dazwischen schrien die fixen Mitglieder immer wieder, dass sie Motivation und Enthusiasmus sehen wollen. Ich hätte sie am Liebsten angebrüllt. Die hatten doch keine Ahnung. Sind da am Rand rumgesessen oder gestanden und haben nichts getan. Danach bekamen wir jedoch etwas zum Essen, das hat vieles entschädigt. Uns wurden danach unsere Hockynamen gegeben. Mein Name ist nicht sehr schmeichelhaft. Ich kann es nicht auf Deutsch übersetzen, weil es dafür keinen Namen gibt. Ich schätze mein Name bedeutet sowas wie Schwangerschaftstreifen...oder so was in der Art. Was man über die Hockeymädels wissen muss, sie sind extrem gemein. Man muss sich den Weg ins Team erst mal erkämpfen und auf den Neuen wird viel rumgehakt. Mir war das zu blöd, deswegen bin ich nicht mehr hingegangen.
Mein Sport ist Lacrosse. Ich bin zum Training gegangen, mir wurde alles gezeigt und es wird einem echt von Anfang an alles beigebracht. Man kann Fragen stellen und die Leute sind sehr geduldig mit einem. Ich habe mir auch schon meinen ersten Schläger zugelegt. Ich genieße es total ein Teil eines Teams zu sein. Freu mich jede Woche wenn wir uns Mittwochs treffen um zusammenzusitzen und danach auf den Putz zu hauen. Jede Woche gibt es ein anderes Thema nach dem man sich verkleiden muss. Die erste Woche war Superhelden, in der zweiten Woche haben wir dann eine Partie Pubgolf gespielt. Ich habe das Spiel wirklich genossen. Man verkleidet sich als Golfer, nimmt einen Golfschläger mit und zieht von einer Bar zur nächsten. Dann muss man in jeder Bar ein gewisses Getränk in einer gewissen Anzahl an Schlücken oder Zügen trinken. Ich schwöre, man wird echt betrunken. Wir hatten auch das Thema "orange" weil die Farben des Uni Lacrosse' Teams ist orange. Ich hab eine orange Perücke getragen und sah zum Schreien komisch aus. Wir hatten aber auch ein "alkoholfreies" Zusammensitzen oder "Social" wie es hier genannt wird. Damit man sich mal richtig kennenlernt, nüchtern. Das war auch ganz lustig. Leider konnte ich diese Woche nicht gehen weil ich krank war. Nächste Woche kann ich auch nicht, weil ich in London sein werde.
Dann werd ich gleich mal zum nächsten Thema kommen, holländisch. :) Was für eine lustige Sprache. Ich habe mich entschieden diese Sprache zu lernen weil ich es mir einfach machen wollte (muss ja ehrlich sein) und zweitens waren alle Sprachkurse für Spanisch schon voll. Bin jetzt aber froh, dass ich mich für niederländisch entschieden habe. Die Professorin ist einfach total komisch, total nett und herzlich. Ich versteh sie. Unsere Kulturen sind sich sehr sehr ähnlich.
Apropo Kultur. Ich hab mir immer gedacht, dass es einfach wäre mich hier einzuglieder und niederzulassen, auch wenn es nur für eine kurze Zeit ist. Dem ist nicht so. Ich bin eine der älteren hier, und die jungen "Freshers" gehen jeden Tag weg. Ehrlich gesagt ist es mir das nicht wert. Ich gebe mein Geld lieber mit Reisen aus, oder Kleidung, Tagesausflüge oder Fitnessstudio. Es kommt so oder so viel zusammen.
Ich meine, irgendwie lern ich sowieso nur 18 - 19 Jährige kennen, weil das eben die sind, die auf einen zugehen. Die älteren sind hier in ihrem Leben schon sehr verankert. Ich finde es schade, weil ich wirklich gerne englische Freunde hätte mit denen ich mich immer treffen könnte und weggehen könnte. Es gibt natürlich noch die Erasmusleute, schon klar. Aber auch die haben sich schon in ihre kleine Grüppchen gespalten. Ich bin eben ein bisschen spät dran. :) Ich bin jedoch positiv gestimmt, dass sich alles zum Positiven wenden wird. Ich hab jetzt schon ein paar nette Leute kennengelernt, mit denen ich mich gut verstehe und dann ist ja da auch noch Tom und meine Familie (wie ich sie bezeichne). Ich seh sie zwar nicht oft, aber wenn dann freu ich mich jedes mal. Wenn ich zu Tom auf Besuch gehe, dann bekomme ich immer Tee und Schokokekse oder selbstgebackene Kekse. Wir spielen Wii und ich fühl mich echt so, als würd ich nach Hause zu meiner Mama kommen (nur dass Tom eben männlich ist).
Das Nachtleben hier in Sheffield kann sich echt zeigen lassen. Eine Bar und ein Club reiht sich an den Nächsten. Es ist unmöglich sich für einen zu entscheiden. Ich persönlich genieße es jedes Mal in die Union zu gehen. Es ist am Nähsten von zuhause und man kommt auch gut in die Stadt sollte es wirklich langweilig sein. Wenn man nach 2/3 noch weggehen will gibt es eingige Möglichkeiten mit Clubs und Bars die ab 3 Uhr geöffnet haben. Meistens endet der Abend aber in einem "Chipshop", wo man dann betrunkener über die Genialität philosophiert Pommes mit Käse zu kombinieren. Es gibt auch einige andere betrunkene Chipshopthemen, aber das wäre viel zu viel für hier!
Ein netter Aspekt der englischen Männer ist auch, dass man nach Hause gebracht wird. Der Mann geht mit einem Seite an Seite bis zu Haustür. Dann bedankt und verabschiedet man sich und schunkelt in die Wohnung. Wer willenstark genug war um nicht in einen Chipshop zu gehen wird spätestens vor dem Toaster schwach. In der Früh, vorm Schlafengehen wird dann nochmal 2 Scheiben Toast gemacht, fett Butter draufgeschmiert und mit dem größten Genuss verdrückt. Oder man macht es wie meine Mitbewohnerin, die mitten am Küchenboden eingeschlafen ist und insgesamt 4 Scheiben Toast zu Gänze verbrannt hat. Alles ist möglich in einer "night out" in Großbritannien.
Ich werde für heute Schluss machen. Hab mir aber fest vorgenommen mehr zu schreiben.
Bis dahin.
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| Rachel & I being Tange |
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| Uxue, my lovely Basque friend and fiancée |
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| Jane |
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| Going on pub golf-with Laura & Tasha |
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| Rocking Coorperation (a club): Charlotte, Sam, me and Niamh |
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| "Having a drink" after "The Lord of the Dance" |
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| Jane & Charlotte |
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| Aoife and me |
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| Our first party as a flat - Jane's looking amazing |
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| my Incredible friend - RACHEL! :D |
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| Charlotte and Niamh |
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| Becoming "Miss Super", captured by "Miss Incredible" |
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| Without any comments |
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| uuuuuuh... |
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| Charlotte and I |
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| UV-Party |
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| Lacrosse mates: Cariad & James |
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| Niamh, I and Sean (lives in the building next to ours) |
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| UV-Party with Niamh |
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| Introducing the Mad Hatter |
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| ¿Estás loco? |