Freitag, 5. November 2010

Die Regenzeit hat begonnen...

Mann, wie die Zeit vergangen ist, seit meinem letzten Eintrag. Ein Wahnsinn. Ich werde gleich mal Mitte/Ende September mit meiner Geschichte beginnen. Ich bin am 20. September in mein neues zuhause eingezogen. Ich war gleich einmal sehr positiv überrascht. Das Zimmer ist klein aber fein mit einem wunderschönen Ausblick ...in einen Baum! Der Vorteil und auch gleichermaßen der Nachteil dieses Ausblickes ist, dass das Zimmer immer dunkel ist. Ich kann also, wenn ich weg war immer schlafen. Will ich aber mal lernen, muss ich alle Lichter anmachen um nicht sofort einzuschlafen. Das Zimmer besteht größtenteils aus einem Einbauschrank-Schreibtisch und einem Bett. Mehr ist da nicht drin. Das Bad ist im selben Prinzip gehalten, sehr funktionell. Es gibt nicht mal eine richtige Dusche, man stellt sich einfach ins Bad, zieht den Duschvorhang zu und duscht mal fröhlich drauflos. Das benutze Wasser rinnt dann in einen Art Kanal in der Mitte des Badezimmers. Leider ist das ganze Bad nach einer Dusche komplett überflutet. Das Zimmer zeichnet sich jedoch durch gefinkelte Accessoires aus. Ich hab einen Ganzkörperspiegel (oho) und Hängevorrichtungen für Mäntel und Jacken. Außerdem bietet das Zimmer viel Abstellplatz für jegliche Sachen die man so braucht. Für meinen Geschmack ist der Kleiderschrank ein bisschen zu klein. Die Frau von Welt hat eben ein paar mehr Klamotten. Außerdem sind die Einkaufmöglichkeiten hier fast unausschöpfbar. Zum Zimmer ist noch zu sagen, dass ich auch meine eigene Pinnwand habe, wo ich alles drauftakkern kann wie ich will. Das macht irrsinnig viel Spaß.

Meine Mitbewohner sind auch irrsinnig nett. Ich wohne mit 3 Engländern, 1 Irin und einem Mädchen aus Malaysia. Die Malaysierin ist sehr schüchtern, sie redet nicht viel. Wobei ich in den letzten 2 Monaten herausgefunden habe, dass sie sehrwohl und sogar sehr viel redet wenn man mit ihr alleine ist. Kaum kommt noch eine Person in den Raum ist sie stumm wie ein Fisch. Aber sie scheint ganz nett zu sein. Ich hab sie auch gefragt, was es so für Unterschiede verglichen mit ihrer Kultur gibt. Sie hat gesagt, dass hier in England viel mehr Alkohol konsumiert wird und sie findet das nicht so gut. Was sie aber gut findet sind die Jungs und dass man hier sagen darf was man denkt (verständlicherweise!) Ich würde sie gerne besser kennenlernen, was sich aber als schwierig herausstellt, das sie sich immer in ihrem Zimmer einschließt.
Dann gibt es da noch die 3 Engländerinnen: Charlotte, Jane und Niamh.
Charlotte kommt aus der Nähe Manchesters und ist das sozial engagierteste Mädchen in der Wohnung. Sie hat 100 000 Freunde im und in der Nähe unseres Blockes. Für mich ist es manchmal schwer sie zu verstehen. Keine Ahnung ob das am Akzent liegt, oder daran, dass sie ihren Manchester Akzent auch manchmal so dahin murmelt. Mit ihr wegzugehen macht irrsinnig viel Spaß obwohl man sie kaum sieht. Sie ist meistens mit irgendeinem Bekannten unterwegs und die Jungs fliegen nur so auf sie.
Die nächste im Bunde ist Jane, sie kommt aus der Nähe von London. Sie ist eine recht witzige Persönlichkeit. Meistens gut drauf und immer für jeden Spaß zu haben. Ich würde sie auch als die Wohnungstussi beschreiben. Nicht im schlechten Sinn. Sie hat nur irrsinnig viele Schminke und Anziehsachen und braucht ewig um fertig zu werden. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist jedoch das Schlafen. Sie schläft mindestens 12 Stunden pro Tag. Ich könnte nie so viel schlafen. Die ganze Schlaferei macht sie aber ganz süß. Sollte sie die Tür nicht öffnen, schläft sie bestimmt - sichere Annahme.
Niamh kommt aus Oxford und ist die Jüngste in der Wohnung. Ich hab sie in den letzten 2 Monaten am Besten kennengelernt und wir waren auch oft zusammen weg. Ich hab immer Spaß mit ihr. Sie studiert Mathematik was sie ein bisschen zu einem Freak macht. Sie ist aber auch sehr  gesellig und quatscht mit jedem munter drauf los, sollte sie betrunken sein! Sonst ist sie eher ein ruhiger Mensch, der ein bisschen länger braucht um aus sich rauszukommen.
Zum Schluss ist da noch Aoife, die Irin. Sie könnte meine Schwester sein und so fühlt es sich auch an. Sie ist mein Nummer 1 Ansprechpartner (sollte sie mal zu Hause sein). Sie studiert Zahnmedizin und ist sehr beschäftigt. Zahnmedizin ist fast so wie Medizin hier, nur das die Zahnärzte im ersten Jahr viel mehr zu tun zu haben scheinen. Aoife ist ständig am Lernen und wiederholen und macht sich ständig Sorgen, dass sie nicht auf dem neuesten Stand ist. Jedenfalls ist sie eine total aufgeschlossene, durchgeknallte und lustige Person, die gerne auf den Putz haut (wenns dann mal soweit ist).

voila...most of my room

stating the obvious: the toilet and the sink

my desk

The corridor

our comfy couches that are rarely used

cooking area

riight..that's where you find me

MEIN BLOCK

The beautiful view from my window

















In Endgland zu leben ist schon ganz cool. Wenn man studiert, fühlt man sich wirklich wichtig. Der Kampus ist ziemlich groß und ich habe herausgefunden, dass Sheffield Uni eine der besten Universitäten im Land ist. Man kann sich also glücklich schätzen wenn man hier aufgenommen wurde. Es gibt einfach so viele Möglichkeiten hier. Das wichtigste Gebäude überhaupt ist die sogenannte Union. Ich hab es glaub ich schon einmal angesprochen. Es befinden sich mehrere Shops darin, 3 Bars und auch 2 Nachtclubs, oder mehrere. Weiß gar nicht genau was als Bar und was als Club bezeichnet wird. Alles wird nämlich für mehrere Zwecke benutzt. (Parties aber auch Tanzstunden) Viele Parties werden in der Union abgehalten und vieles wird hier organisiert. Ich weiss eigentlich gar nicht warum viele Leute hier dick sind, es gibt wirklich so viele Sportmöglichkeiten. In den ersten Wochen wird so viel angeboten und man kann auch so vieles ausprobieren. Man braucht jedoch für alles ein Ticket. Also mit spontan geht da nichts.

Jedenfalls in den ersten Wochen hab ich viele Sportarten ausprobiert, ich bin sogar Wakeboarden gegangen. Das Wasser hatte 5 Grad, gefühlte minus 10, höchstens. Der Wind bließ uns nur so um die Ohren und ich wünschte ich hätte mich nicht dazu entschieden wakeboarden zu gehen. Wir haben uns dann in die Neoprenanzüge reingezwängt, die auch arschkalt waren. Ich wollte einfach nur in mein warmes Bett oder unter eine warme Dusche. Danach wurden wir draußen im Freien eingewießen, wir bekamen unsere Kneeboards und uns wurde genau erklärt wie man sie benutzt. Auch in diesem Moment war ich innerlich nur am Fluchen. Die Tage davor waren super schön gewesen, kein Wölkchen am Himmel. Aber genau an dem Tag, an dem ich ins Wasser muss, da muss es ja natürlich wieder total eisig kalt sein, war ja klar. Ich habs probiert und bin immer noch stolz auf mich. Bin jedoch in der Mitte des Sees runtergefallen und musste bis zu Ende schwimmen. Dazwischen musste ich aufpassen, dass ich nicht  von einem anderen Kneeboarder überrannt wurde (wir wurden aufgefordert einfach für ein paar Sekunden unterzutauchen, damit der andere über den Helm fahren kann). Naja. Ich wars ja gewohnt, dass Wakeboarder mit einem Boot abgeholt werden, wenn sie es versauen. Nicht so an diesem See, das ganze Seil war an einer Konstruktion befestigt, die rund um den See geht. Deswegen musst ich auch schwimmen. Nix mit Boot und so. Als ich es endlich geschafft hatte mein Board und mich ans Ufer zu schleppen, musste ich nochmal barfuß rund um den See herumlaufen. Danach hab ich dann zu lange gezögert und habs nicht nochmal versucht. Ich wünschte jedoch, ich hätte es gemacht. Ich weiss nun definitiv, dass ich mit dem Wakeboarden bis zum Sommer warte, wenn die Seen ein bisschen wärmer sind und ich mir nicht meine Hände und Füße abfrieren muss. War jedoch eine echt coole Erfahrung.

Ich hab auch noch Capoeira probiert. Was für ein Wochenende bzw. was für eine Woche. Am Donnerstag hab ich zuerst Zumba probiert. Zumba, für alle Uninformierten ist eine Tanzsportart, die aus den Staaten kommt. Man kombiniert einfach zwei oder mehrere Tanzstile in einem Tanz und bum hat man das perfekte Workout. Es hat irrsinnig Spaß gemacht, Salsa, Merengue mit Bauchtanz und Polka zu vermischen. Die Musik war unglaublich. Leider kostet es so viel das weiterhin zu tanzen.
Am Freitag war dann Wakeboarden dran. Davon hab ich ja schon ausgiebig berichtet.
Samstag hab ich mich dann dazu aufgerafft zu Capoeira zu gehen. Capoeira kommt aus Brasilien und ist eine Kampfsportart mit Tanzelementen und viel Philosophie. Schon alleine das Aufwärmen war anstrengend. Es wird extrem viel gesprungen und dann muss man sich auf den Boden fallen lassen. Und wieder hüpfen. Dann Dehnübungen und erst danach fängt das richtige Training an. Ich war den Tag davor weg und war ein bisschen verkatert. Bei den Drehungen wurder mir richtig schwindlig und ich musste mich immer wieder mal orientieren. Da der Grundschritt dem Salsaschritt sehr ähnlich ist wollte ich immer meine Hüften bewegen, das ist aber falsch. Ich kam einfach nicht rein. Ich habs trotzdem gemacht. Es war wirklich eine tolle Erfahrung. Wir haben gesungen und der Leiter hat mit verschiedenen Instrumenten gespielt. Drei Leute waren da, die waren schon voll die Profis und haben gleich mal ihr Können gezeigt. Mann Mann...da wird man echt grün vor Neid. Ich bin dann gar nicht mehr gegangen, weil Salsa ist zur selben Zeit und ich wollte einfach auch beides ausprobieren und die Möglichkeit zu tanzen haben.
Am Sonntag waren dann die Hockey Auswahl. Es war so anstrengend nach 4 Tagen nur Sport. Ich hatte keine Ahnung und hab mich gleich blamiert indem ich den Schläger falsch herum gehalten habe. Mir hat aber niemand auch nur irgendwas erklärt. Es ging gleich los und wir wurden die ganze Zeit beobachtet. Wir mussten laufen und laufen und noch mehr laufen und wir waren zum Schluss alle echt kaputt. Dazwischen schrien die fixen Mitglieder immer wieder, dass sie Motivation und Enthusiasmus sehen wollen. Ich hätte sie am Liebsten angebrüllt. Die hatten doch keine Ahnung. Sind da am Rand rumgesessen oder gestanden und haben nichts getan. Danach bekamen wir jedoch etwas zum Essen, das hat vieles entschädigt. Uns wurden danach unsere Hockynamen gegeben. Mein Name ist nicht sehr schmeichelhaft. Ich kann es nicht auf Deutsch übersetzen, weil es dafür keinen Namen gibt. Ich schätze mein Name bedeutet sowas wie Schwangerschaftstreifen...oder so was in der Art. Was man über die Hockeymädels wissen muss, sie sind extrem gemein. Man muss sich den Weg ins Team erst mal erkämpfen und auf den Neuen wird viel rumgehakt. Mir war das zu blöd, deswegen bin ich nicht mehr hingegangen.

Mein Sport ist Lacrosse. Ich bin zum Training gegangen, mir wurde alles gezeigt und es wird einem echt von Anfang an alles beigebracht. Man kann Fragen stellen und die Leute sind sehr geduldig mit einem. Ich habe mir auch schon meinen ersten Schläger zugelegt. Ich genieße es total ein Teil eines Teams zu sein. Freu mich jede Woche wenn wir uns Mittwochs treffen um zusammenzusitzen und danach auf den Putz zu hauen. Jede Woche gibt es ein anderes Thema nach dem man sich verkleiden muss. Die erste Woche war Superhelden, in der zweiten Woche haben wir dann eine Partie Pubgolf gespielt. Ich habe das Spiel wirklich genossen. Man verkleidet sich als Golfer, nimmt einen Golfschläger mit und zieht von einer Bar zur nächsten. Dann muss man in jeder Bar ein gewisses Getränk in einer gewissen Anzahl an Schlücken oder Zügen trinken. Ich schwöre, man wird echt betrunken. Wir hatten auch das Thema "orange" weil die Farben des Uni Lacrosse' Teams ist orange. Ich hab eine orange Perücke getragen und sah zum Schreien komisch aus. Wir hatten aber auch ein "alkoholfreies" Zusammensitzen oder "Social" wie es hier  genannt wird. Damit man sich mal richtig kennenlernt, nüchtern. Das war auch ganz lustig. Leider konnte ich diese Woche nicht gehen weil ich krank war. Nächste Woche kann ich auch nicht, weil ich in London sein werde.

Dann werd ich gleich mal zum nächsten Thema kommen, holländisch. :) Was für eine lustige Sprache. Ich habe mich entschieden diese Sprache zu lernen weil ich es mir einfach machen wollte (muss ja ehrlich sein) und zweitens waren alle Sprachkurse für Spanisch schon voll. Bin jetzt aber froh, dass ich mich für niederländisch entschieden habe. Die Professorin ist einfach total komisch, total nett und herzlich. Ich versteh sie. Unsere Kulturen sind sich sehr sehr ähnlich.
Apropo Kultur. Ich hab mir immer gedacht, dass es einfach wäre mich hier einzuglieder und niederzulassen, auch wenn es nur für eine kurze Zeit ist. Dem ist nicht so. Ich bin eine der älteren hier, und die jungen "Freshers" gehen jeden Tag weg. Ehrlich gesagt ist es mir das nicht wert. Ich gebe mein Geld lieber mit Reisen aus, oder Kleidung, Tagesausflüge oder Fitnessstudio. Es kommt so oder so viel zusammen.
Ich meine, irgendwie lern ich sowieso nur 18 - 19 Jährige kennen, weil das eben die sind, die auf einen zugehen. Die älteren sind hier in ihrem Leben schon sehr verankert. Ich finde es schade, weil ich wirklich gerne englische Freunde hätte mit denen ich mich immer treffen könnte und weggehen könnte. Es gibt natürlich noch die Erasmusleute, schon klar. Aber auch die haben sich schon in ihre kleine Grüppchen gespalten. Ich bin eben ein bisschen spät dran. :) Ich bin jedoch positiv gestimmt, dass sich alles zum Positiven wenden wird. Ich hab jetzt schon ein paar nette Leute kennengelernt, mit denen ich mich gut verstehe und dann ist ja da auch noch Tom und meine Familie (wie ich sie bezeichne). Ich seh sie zwar nicht oft, aber wenn dann freu ich mich jedes mal. Wenn ich zu Tom auf Besuch gehe, dann bekomme ich immer Tee und Schokokekse oder selbstgebackene Kekse. Wir spielen Wii und ich fühl mich echt so, als würd ich nach Hause zu meiner Mama kommen (nur dass Tom eben männlich ist).

Das Nachtleben hier in Sheffield kann sich echt zeigen lassen. Eine Bar und ein Club reiht sich an den Nächsten. Es ist unmöglich sich für einen zu entscheiden. Ich persönlich genieße es jedes Mal in die Union zu gehen. Es ist am Nähsten von zuhause und man kommt auch gut in die Stadt sollte es wirklich langweilig sein. Wenn man nach 2/3 noch weggehen will gibt es eingige Möglichkeiten mit Clubs und Bars die ab 3 Uhr geöffnet haben. Meistens endet der Abend aber in einem "Chipshop", wo man dann betrunkener über die Genialität philosophiert Pommes mit Käse zu kombinieren. Es gibt auch einige andere betrunkene Chipshopthemen, aber das wäre viel zu viel für hier!
Ein netter Aspekt der englischen Männer ist auch, dass man nach Hause gebracht wird. Der Mann geht mit einem Seite an Seite bis zu Haustür. Dann bedankt und verabschiedet man sich und schunkelt in die Wohnung. Wer willenstark genug war um nicht in einen Chipshop zu gehen wird spätestens vor dem Toaster schwach. In der Früh, vorm Schlafengehen wird dann nochmal 2 Scheiben Toast gemacht, fett Butter draufgeschmiert und mit dem größten Genuss verdrückt. Oder man macht es wie meine Mitbewohnerin, die mitten am Küchenboden eingeschlafen ist und insgesamt 4 Scheiben Toast zu Gänze verbrannt hat. Alles ist möglich in einer "night out" in Großbritannien.

Ich werde für heute Schluss machen. Hab mir aber fest vorgenommen mehr zu schreiben.
Bis dahin.
xxxx

Rachel & I being Tange

Uxue, my lovely Basque friend and fiancée

Jane

Going on pub golf-with Laura & Tasha

Rocking Coorperation (a club): Charlotte, Sam, me and Niamh

"Having a drink" after "The Lord of the Dance"

Jane & Charlotte

Aoife and me

Our first party as a flat - Jane's looking amazing

my Incredible friend - RACHEL! :D
Charlotte and Niamh



Becoming "Miss Super", captured by "Miss Incredible"

Without any comments

uuuuuuh...

Charlotte and I



UV-Party

Lacrosse mates: Cariad & James
Niamh, I and Sean (lives in the building next to ours)


UV-Party with Niamh

Introducing the Mad Hatter

¿Estás loco?

Freitag, 17. September 2010

On being British...

Tee, das ist glaub ich das Erste das Menschen denken wenn sie an England denken. Ich habe jetzt andere Seiten Britanniens kennengelernt. Lustige Seiten, aber auch Sachen über die ich mich nur wunder kann. 

Engländer haben viele Leidenschaften bzw. machen das was sie machen mit einer ganz bestimmten Leidenschaft. Ich habe heute diesen Mann beobachtet, der einen wirklich nicht zu beneidenswerten Job hat. Er putzt Fenster. Es ist wirklich sein Job, jegliche Außenfenster bestimmter Läden zu reinigen. Ich bin mir sicher, dass Österreicher einiges zu jammern hätten. Jedenfalls, dieser englische Putztyp hat die Fenster mit einer Leidenschaft geputzt, die mit nichts zu vergleichen ist. Gekonnt hat er die Werkzeuge gebraucht und auch keinen einzigen Fleck ausgelassen. Ich kann bestimmt behaupten, dass Engländer ALLES mit einer richtigen Passion machen. Wenn sie etwas hassen, dann komplett. Wenn sie eine Fußballmannschaft unterstützen, dann aber richtig. Sie brüllen, schreien, weinen und springen hoch aus ihren Sesseln. Sie drehen förmlich durch.
Eine andere Leidenschaft, die ich entdeckt habe, ist das traditionelle Anstehen. Würde es dafür eine Sportart geben, die Engländer würden sie bestimmt gewinnen. Sie genießen es regelrecht sich schön brav in eine Reihe zu stellen. Sie warten geduldig studenlang ohne auch nur die geringste Miene zu verziehen. Mich regt anstehen immer total auf. Ich würde 1000 bessere Dinge finden, die ich tun könnte anstatt anzustehen. Vor allem frustriert es mich, 45 Minuten anzustehen, nur um gesagt zu bekommen, das man mir nicht helfen kann. Ich muss WARTEN!! Anscheinend ist das der Nationalsport der Briten.
Was mich zum nächsten Thema bringt. Engländer sind immer irrsinnig freundlich und höflich. Für mich ist das extrem ungewohnt. Ich komme gerne zum Punkt und zwar schnell. Wenn ich etwas haben will, dann frag ich. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann sag ich es (meistens). Engländer können ziemlich gut um den heißen Brei herumreden. Deswegen denken auch alle, dass Engländer viel eloquenter sind als der Durchschnittseuropäer. Sind sie jedoch nicht. Sie sind nur jahrelang dazu ausgebildet worden, Blödsinn zu labern. 
Ich liebe Briten trotz all ihrer kleinen Fehler. Sie sind irrsinnig freundlich und auch hilfbereich. Ich habe jedoch festgestellt, dass Hilfbereitschaft auf die Region ankommt aus der die Leute stammen.
Ich habe erfahren, dass Menschen im Norden viel geduldiger und freundlicher sind als die Menschen im Süden. 
Im Süden haben die Menschen ein einfaches Prinzip. Wenn etwas nicht gesagt werden muss, dann sag es einfach nicht. Das bedeutet, dass man auf keinen Fall mit der Person neben einem spricht obwohl man 4 lange Stunden mit ihm ein Zugabteil teilt. Wenn Menschen im Süden (größtenteils) nach dem Weg gefragt werden, bekommt man eine pampige Antwort. Angeblich ist das im Norden ganz anders. Ich habe bis jetzt nur gute Erfahrungen mit Menschen aus Yorkshire gemacht, aber ich bin mir sicher, dass es auch nette Menschen im Süden gibt. 



Was mir auch noch aufgefallen ist, ist das sich Engländer und auch  Engländerinnen ganz anders kleiden als sagen wir mal Österreicher. Ich glaube, dass Österreicher sich eher praktisch kleiden. Wenn es kalt wird, dann ziehen wir uns einen Mantel an. Wenn es draußen heiß ist, laufen wir mit kurzen Hosen herum. In England kann jeder anziehen was er für stylisch hält. Erst gestern hab ich im Supermarkt ein ziemlich schräges Pärchen gesehen. Sie hatte blaue Haare und er violette. Tja, da haben sich zwei gefunden. Der generelle Unterschied ist, dass Engländer(innen) sich viel mehr Gedanken über ihren Stil machen. Jeder will individuell und anders sein. Viele Sachen, die in Österreich als altmodisch gelten würden sind hier total normal. Leggins und Sachen aus den 80gern sind angesagt und hipp. Jedes zweite Mädchen läuft mit einem Haarband mit irgendeiner ausgeflippten Blume oder Figur darauf herum. Vieles beruht auf Vintage oder Secondhandshops. Engländerinnen sind auch bekannt dafür, sich extrem hübsch zu machen wenn sie ausgehen. Sie ziehen extrem kurze Röcke oder Kleider an und lieben es sich in Szene zu setzen. Für mich tragen manche einfach zu viel auf, zu viel Make-up und viele, die es sich eigentlich nicht leisten können, zeigen viel zu viel Haut. Trotzdem ist es erleichternd in einer Umgebung zu leben, in der jegliche Kleidung akzeptiert wird und in der man mit Kleidung herumexperimentieren kann.

Der Kleidungstil der Männer ist sehr einfach zu beschreiben. Viele Jungs hier kleiden sich sehr sehr weiblich, zumindest für meine Verhältnisse. Sie tragen sehr enge Jeans und enge T-shirts. Sie geben sich sehr viel Mühe mit ihren Haaren. Es ist auch witzig zu beobachten, dass sich verschiedene Gruppen auch unterschiedlich kleiden. Die Männer die Indiemusik hören kleiden sich anders als die, die Hip-Hop hören. In Österreich ist es komplett egal ob man nun Klassik hört oder Hardrock, die Kleidung ist und bleibt praktisch.
Was auch noch total interessant ist, jedenfalls für mich, ist die Jogginhosenkultur (ich habe das Wort gerade erfunden). Viele Leute ziehen einfach ihre Jogginsachen an, die bequem sind und gehen einkaufen oder sonst wohin. 


Kommen wir nun zum Ausgehen. Bis jetzt hatte ich das Vergnügen nur mit Männern ausgehen zu dürfen. Ich wurde ins sogenannte "banter" eingeführt. Ich glaub in Österreich oder wo anders wird es flirten genannt. Hier in England geht es jedoch ein bisschen anders zu. Da wird sich mal schön übereinander lustig gemacht und es wird so gut es geht gestänkert. Der, der als erstes aufgibt, hat glaube ich verloren. Aber so genau kenn ich mich da noch nicht aus. Es fällt mir noch schwer mit dem ganzen "Gebanter" mitzuhalten. Es liegt auch einfach an der Sprachbarriere und den vielen Vokabeln, die man da um die Ohren geworfen bekommt. Bis Ende Juni werde ich das noch perfektionieren müssen. Ich bin aber ganz positiv gestimmt. 


Als Österreicherin bin ich es gewohnt, dass alles in mehr oder weniger geregelten Bahnen verläuft. Die Züge gehen pünktlich und auch immer zur selben Zeit zum selben Preis. England ist definitiv anders. Der gute Aspekt ist, dass man Rücktickets kaufen kann. Das bedeutet, dass man nur einmal zum Schalter oder zur Maschine laufen muss. Meistens sind diese Rücktickets auch billiger als wenn man ein Ticket zur Destination und dann ein separates Ticket zurück kaufen würde. Außerdem kann man Tickets billiger kaufen, wenn man früh genug bucht. Umso kurzfristiger man die Tickets kauft, desto teurer. Diese Retourtickets haben natürlich ein Ablaufdatum aber man kann innerhalb eines Monats wieder dorthin zurück wo man hergekommen ist. Das nenne ich einmal praktisch. Engländer sind auch sehr bedacht darauf pünktlich zu sein. Naja, sagen wir einmal, halbpünktlich. Sie sind keine Deutschen, wenn es um Pünktlichkeit geht. Sie sind jedoch umso genauer wenn es ums Bezahlen und Kontrollieren der Fahrkarten geht. Ausnahmslos in allen öffentlichen Verkehrsmitteln wird striktestens kontrolliert. Die Möglichkeit des Schwarzfahrens gibt es praktisch gar nicht. 


Das Erste was mir hier in Sheffield richtig gezeigt wurde war die Universität bzw. die sogenannte Union. Dort gehen Studenten hin wenn sie Fragen haben, oder wenn sie sich für Aktivitäten interessieren. Darin befinden sich jedoch auch normale Geschäfte in denen man Schulsachen und Essen kaufen kann. Es befinden sich 2 Cafés und auch eine Kantine darin. Im Keller befindet sich jedoch auch eine Bar und viele Parties werden dort stattfinden. Kurz gesagt, die Union bietet alles was sich ein Student nur wünschen kann. Es ist großartig ein Teil davon zu sein. Die Sheffield Union ist gerade erst renoviert worden und das Ergebnis kann sich zeigen lassen. Man fühlt sich sofort wohl und irgendwie ernst genommen. Studieren ist einfach anders in Großbritannien. Man studiert auf einem anderen Level, kommt mir vor.  Wahrscheinlich auch deswegen, weil alle Studenten irrsinnig viele Gebühren zahlen müssen. Es zahlt sich jedoch aus. Die Bibliotek, die ich besichtigen durfte ist einfach der Hammer. Man kann wirklich darin wohnen (es befinden sich auch Duschen und Betten darin). Man kann im Internet surfen, einfach nur Bücher lesen oder wenn man betrunken von der Stadt kommt kann man theoretisch auch darin übernachten. Die Bibliothek ist 24 Stunden, 7 Tage die Woche lang geöffnet. Das muss ihr erst einmal nachgemacht werden Die Klagenfurter Unibibliothek kann da sowas von einpacken. Game over for you baby. 
Was noch richtig cool ist, sind die ganzen Aktivitäten die angeboten werden, von Sport angefangen, bis hin zu kochen und Wein verkosten, wird so ziemlich alles angeboten. 

Rundherum, die Landschaft ist einfach nur atemberaubend und es gibt so viele Dinge die man tun kann. Das Einkaufen ist definitiv eines meiner Lieblingsbeschäftigungen geworden, obwohl ich es nicht zu übertreiben versuche. In Sheffield gibt es auch eine künstliche Schipiste, eine der größten in Europa. Ich werde sicher mal dorthin fahren um zu snowboarden. 

Ich bin noch nicht lange hier, doch ich bin begeistert. Noch hat die Uni nicht so richtig angefangen und naja ich bin noch ziemlich planlos. Ich bin mir sicher, dass mir noch einige Sachen einfallen werden, die mir nicht so gefallen. Aber bis dahin, genieße ich die größtenteils postiven Ereignisse.

So, ich geh mal ins Bett. Es ist schon spät und morgen werden wir Tickets für die Fresher's Week kaufen. Kurz gesagt, eine Woche in der alle Studenten feucht fröhlich feiern, dass sie (wieder zurück) auf der Uni sind.

Let the good times roll. ;) 

Samstag, 11. September 2010

The magic fives

So, ich hab mir mal gedacht ich werde meine (vorübergehenden) Mitbewohner vorstellen. Ohne sie wäre es super langweilig.

David auch Dave genannt, war der Erste, den ich kennengelernt habe. Er hat mich super nett empfangen, mir alles gezeigt und mich seinen Freunden vorgestellt. Ich hätte es nicht besser treffen können. Wir verstehen uns eigentlich ganz gut, er versucht mich nur manchmal mit Hitlerwitzen auf die Palme zu bringen. Er ist auch die Putzfrau in dem Apartment. Ich würde ihn gerne mit nach Entcliffe (Studentenheim) nehmen, damit er für mich aufräumt. :) Ohne ihm und seine blöden Kommentare wäre Sheffield nicht das Selbe! ;)



Eleanor oder Elli ist erst später zurückgekommen von den Ferien. Die Leute hier in der Wohnung kennen sich schon ewig und es ist lustig Geschichten von "früher" zu hören. Ich glaube mit Elli wird einem nie fad, sie ist ziemlich ausgeflippt. Leider hab ich sie noch nicht so genau kennengelernt aber ich bin mir sicher, dass ich gut mit ihr auskommen werde.



Rebecca ist auch ein wichtiges Mitglied der ganzen Runde. Sie ist genauso ausgeflippt wie Elli und auch ziemlich aufgeweckt. Sie hat auch eine Leidenschaft für Tee und macht auch einen für jeden der einen will. Was meistens dazu führt, dass sie 6 Tassen Tee machen muss. Ich bin mir sicher, dass man mit ihr egal was man macht super viel Spaß haben kann. Ich muss sie nur ein bisschen besser kennenlernen.



Tom kenne ich ja schon von Klagenfurt und ich bin ihm ziemlich dankbar, dass ich hier wohnen kann. Er versucht mich auch so gut wie möglich in das englische Essen und die Kultur einzuführen. Ich habe immer viel Spaß mit ihm und freu mich schon auf ein Jahr hier mit ihm und seinen Freunden.



Xavier ist der Letzte, den ich jetzt vorstellen werde. Er wohnt nicht wirklich hier, er ist nur zu Besuch. So wie ich. Er kennt alle schon seit einer halben Ewigkeit. Er ist eine ziemlich lustige Figur. Sehr feminin. Letztens hatten wir eine Nacktschnecke in der Küche und er wollte sie nicht angreifen. Das musste dann ich machen. Er ist aber ein total liebenswerter Kerl, so wie alle hier.


So, das wars für heute von mir. Bin schon gespannt was wir heute so machen werden.

xxx

Freitag, 10. September 2010

I think I like this... :)



Der Abschied ist mir schon ein bisschen schwer gefallen, jedenfalls schwerer als ich gedacht habe. Aber man bzw. frau muss doch positiv bleiben und so machte ich mich auf um eine neue englische Welt zu erkunden. Schon alleine die Anreise versprach mir nur Gutes. Das Wetter war schön, die Sonne schien und ich fühlte mich gleich gut. Den Buschauffeur, der mich vom Flughafen zum Bahnhof gebracht hat, habe ich sofort ins Herz geschlossen. Er hat mir von seiner Famile erzählt und mich über mein Heimatland ausgefragt. Ganz stolz hat er mir auch berichtet, dass er den Ben Nevis bestiegen hat. Zur Info, Ben Nevis ist der höchste Berg in Großbritanniens und ist 1.344 m hoch. Ich hab mich ein bisschen über ihn lustig gemacht, weil der Berg niedriger ist wie viele kleine Berge in Österreich. Er hat nur gelacht. Naja, wenns um Berge geht kann man Großbritannien und Österreich eben nicht vergleichen. Ich war aber positiv überrascht von der Freundlichkeit, die mir entgegen gebracht wurde. Auch im Zug richtung Sheffield hatte ich ein nettes Gespräch mit dem Schaffner, der mir dann auch mit meinem Gepäck geholfen hat. 

Ich kam in Sheffield an und wusste schon irgendwie wo ich bin, da ich ja schon mal am Bahnhof war. Ich bin dann mit einem Taxi zu meinem neuen vorübergehenden Zuhause gefahren. Nur so nebenbei, ich bin viel zu früh nach England gekommen und muss noch bis 19. September warten bis ich einziehen kann. Zurück zu dieser Taxifahrt, sie war nämlich die anstrengenste meines ganzen Lebens. Ich wurde gleich mal über die komischen Ereignisse, die gerade in Österreich passieren ausgefragt. Diese Ereignisse drehten sich hauptsächlich um den behämmerten Mann, der seine Tochter in einen Keller sperren musste und mit ihr Kinder zeugen musste. Die Diskussion drehte sich dann auch um die Todesstrafe und dass solche Menschen einfach getötet werden müssen. Ich hab mich wie in einem Verhör gefühlt. So auf die Art: Du bist Österreicherin, verstehst du diesen Mann? Am Liebsten hätte ich etwas ironisches zurückgesagt wie: "Na klar, alle machen das so in Österreich, das ist total normal. Ich habe Glück, dass mein Vater mich aus dem Keller gelassen hat." Komplette Scheiße, aber naja. Der Fahrer war eh total nett, nur seine Einstellung hat mich ein bisschen gestört. Ich bin jedenfalls gut in meinem neuen Zuhause angekommen und der Mitbewohner von Tom hat mir dann einmal alles gezeigt. Die Wohnung ist einfach der Hammer und ich würde am Liebsten hier bleiben.

Die Tage sind jetzt so schnell vergangen seit ich hier angekommen bin und ich bin jetzt schon über 1 Woche hier. Das Wetter war gnädig und es hat fast jeden Tag die Sonne gescheint und es hat nur 1 Mal geregnet.
Mein Alltag besteht jetzt hauptsächlich aus fernsehen, ich muss ja die britische Fernsehkultur kennenlernen. Ich finde mich hier schon langsam zurecht und war jetzt die meiste Zeit nur einkaufen. Letzes Wochenende hat mich Jason besucht und wir sind nach Liverpool gefahren. Es war total interessant und auch total lustig. Wir sind teilweise durch die Gegend geirrt, hatten ein mehr oder weniger gutes Mittagessen. Aber hauptsache wir hatten Spaß und zum Schluss haben wir das Beatles Museum doch gefunden. Es war einfach unglaublich. Auch der Hafen war total schön. Auch dieses Mal hat das Wetter mitgespielt.


Nachdem Jason dann wieder nach Hause nach Boston gefahren ist, ist nicht viel passiert. Erst gestern hab ich wieder etwas neues erlebt. Wir sind in das, etwas auserhalb liegende Peak District gefahren. Um ehrlich zu sein sieht die englische Landschaft von allen Perspektive gleich aus. Langezogene Hügel mit grünen Wiesen und vielen Schafen drauf. Trotzdem hab ich die Wanderung sehr genossen, weil es so anders ist als das was ich gewohnt bin. Zum Schluss sind wir dann zu dieser Steinwand gegangen und haben schöne Bilder darauf gemacht. Tom und ich haben dann entschieden wir wollen irgendwo runterklettern, was wir dann auch gemacht haben. Es war mal etwas anderes, man kann nicht immer auf Nummer sicher gehen. Es hat sich echt ausgezahlt obwohl ich mit einer Schramme in meinem Knie nach Hause gefahren bin.



Soweit so gut. Sheffield wird sicher toll werden, wie toll wird sich erst herausstellen. Aber ich liebe Überraschungen.  Bis bald. Ich halte euch am Laufenden.

xxx